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Digitale Hub für Smarte Senioren

Wie können Senioren die digitalen Fähigkeiten erlernen, die sie benötigen, um informiert, vernetzt und unabhängig in einer sich rasch wandelnden, informationsgetriebenen Gesellschaft zu bleiben?

Der Digital Skills Hub für Smart Seniors ist das zentrale Tor zu einem 6-Modul-Programm, Workshops und einem Einsteiger-Leitfaden, die Senioren, Familien und Betreuern helfen, praktische digitale und Online-Sicherheitsfähigkeiten für den Alltag zu entwickeln. Mehr lesen.

Was „Smart Senioren“ wirklich bedeutet – und warum es jetzt wichtig ist

ein alte Ehepaar spielt video-spiele

Stell dir vor

Stell dir vor, 3,4 Millionen Menschen wären plötzlich ohne Strom. Das wäre ein Aufschrei. Schlagzeilen, Debatten, sofortige Maßnahmen.

Aber 3,4 Millionen Deutsche leben komplett offline. Und die Reaktion? Meistens: Stille.

Das ist das Problem, über das wir reden müssen.

Bei den Jüngeren liegt die Internetnutzung bei fast 100 %. Bei den über 65-Jährigen sind es laut Pew Research Center rund 75 %. Und in der Gruppe der 75- bis 84-Jährigen hat jeder Sechste das Internet noch nie benutzt.

Das ist keine technische Randnotiz. Das ist eine soziale Barriere. Eine echte.

Aber hier ist die gute Nachricht: Digitale Kompetenz hat nichts mit dem Geburtsjahr zu tun. Sie hat mit Einstellung zu tun. Mit dem, was ich „Digital Thinking“ nenne.

„Senior“ ist kein richtiger Begriff

Das nervt mich ehrlich gesagt schon seit Jahren.

Wenn wir von „Senioren“ reden, meinen wir Menschen zwischen 60 und über 90. Das sind 30 Jahre Lebenszeit in einem einzigen Begriff. Würden wir alle unter 30-Jährigen einfach „Junioren“ nennen und so behandeln? Natürlich nicht.

Und trotzdem passiert genau das ständig mit älteren Menschen.

Mein eigener Vater ist 78. Er brachte 1980 unseren ersten Computer nach Hause. Viele der heutigen 70- und 80-Jährigen waren dabei, als die digitale Welt entstand. Sie sind keine Technik-Laien. Sie sind Zeitzeugen – und oft mehr als das.

Was wir nicht brauchen: klobige „Seniorenhandys“ mit riesigen Tasten und eingeschränkten Funktionen. Was wir brauchen: inklusive Geräte, die für alle gut funktionieren – egal wie alt man ist.

Was „Digital Thinking“ wirklich heißt

Es geht nicht darum, jede neue App auswendig zu kennen.

„Digital Thinking“ ist ein Denkansatz. Eine Frage: Welches reale Problem kann mir ein digitales Werkzeug lösen? Ob eingeschränkte Mobilität, Arzttermine oder der Wunsch, Fotos mit den Enkeln zu teilen – die Technologie ist das Mittel. Nicht das Ziel.

Ein einfaches Beispiel: Digitale Fotografie. Man kann damit nicht nur Erinnerungen speichern. Man kann gemeinsam mit den Enkeln ein Fotobuch gestalten. Das ist kein IT-Projekt. Das ist Verbindung.

Genau darum geht es. Werkzeuge nutzen, um Dinge zurückzugewinnen, die man vermisst.

Die wichtigsten digitalen Alltagskompetenzen sind dabei:

  • Browser nutzen – Informationen finden und Quellen hinterfragen
  • Kommunizieren – E-Mails schreiben, per Video telefonieren
  • Mobil bleiben – Routen planen, Fahrkarten buchen
  • Kreativ sein – Fotos sortieren, Erinnerungen teilen
  • Sicher sein – Risiken erkennen, Privatsphäre schützen

Soziale Medien gegen Einsamkeit

Soziale Medien sind weit mehr als Zeitvertreib. Für viele ältere Menschen sind sie eine Brücke – aus der Isolation heraus, in die Familie hinein.

Studien zeigen: Die regelmäßige Nutzung sozialer Medien kann das Risiko einer Depression bei älteren Erwachsenen um bis zu 33 % senken. Das ist keine Kleinigkeit.

Laut der SIM-Studie nutzen 64 % der Senioren täglich WhatsApp oder ähnliche Dienste. Ein Foto aus dem Urlaub der Enkel. Ein kurzer Videoanruf am Sonntag. Das schafft echte Nähe – über Kilometer hinweg.

„Soziale Medien bieten Senioren zahlreiche Vorteile: Sie fördern Beziehungen, ermöglichen persönliches Wachstum und tragen zu einem erfüllteren Leben bei.“

Home Digital Care – Technik braucht ein menschliches Gesicht

Kein Chatbot der Welt ersetzt einen Menschen, der neben einem sitzt.

Das ist der Kern von „Home Digital Care“. Studenten oder Freiwillige besuchen ältere Menschen zu Hause. Nicht für große Technik-Schulungen. Sondern für ganz konkrete Hilfe: Online-Banking einrichten. Eine Gesundheits-App installieren. Erklären, wie das mit dem Video-Anruf funktioniert.

Diese persönliche Begleitung schafft Vertrauen. Und Vertrauen ist die Voraussetzung für alles andere.

Meine eigene Vision geht noch einen Schritt weiter. In Deutschland gab es bis 2011 den Bundesfreiwilligendienst. Ein Jahr Dienst in einem Krankenhaus, einer Pflegeeinrichtung oder bei der Bundeswehr. Diese Struktur hat etwas aufgebaut – Verbindungen, Kompetenzen, Gemeinschaft.

Warum gibt es keinen digitalen Freiwilligendienst? „Digital Caregivers“ als anerkannte Rolle. Junge Menschen, die älteren helfen. Kreditpunkte für die Schule. Austausch zwischen den Generationen. Eine Win-win-Situation – wenn man sie nur anpackt.

Ein Tablet ist barrierefreier als ein Fernseher

Das klingt erst mal seltsam. Aber es stimmt.

Das klassische Fernsehen ist starr. Man schaut, was läuft – und kann es nicht beeinflussen. Ein Tablet oder Smartphone dagegen passt sich an:

  1. Schriftgröße – einfach größer stellen
  2. Lautstärke – direkt am Gerät oder über verbundene Hörgeräte regeln
  3. Tempo – Videos anhalten, zurückspulen, so oft wiederholen wie nötig
  4. Zusatzhilfen – Untertitel, Sprachassistenten, Vorlesefunktionen

Wer körperliche Einschränkungen hat, profitiert von Smart Media oft mehr als von analogen Medien. Das wird viel zu selten gesagt.

Sicher starten: Sechs einfache Regeln

Der Start in die digitale Welt muss kein Sprung ins kalte Wasser sein. Diese sechs Punkte helfen:

  • Privatsphäre zuerst: Profile in sozialen Netzwerken auf „Nur Freunde“ stellen
  • Eigene Passwörter: Für jedes Konto ein anderes, starkes Passwort nutzen
  • Gesunde Skepsis: Nur Anfragen von Menschen annehmen, die man wirklich kennt
  • Vorsicht mit Daten: Keine Telefonnummern oder Reisepläne öffentlich teilen
  • Zwei-Faktor-Schutz: SMS-Bestätigung beim Login aktivieren – wo immer möglich
  • Die goldene Regel: Bei Unsicherheit immer eine Vertrauensperson fragen

Zum Schluss

Digitale Teilhabe ist kein Luxus. Sie ist ein Bürgerrecht.

Wer die digitale Welt aktiv nutzen kann, lebt selbstbestimmter. Er kann Arzttermine buchen, Rechnungen bezahlen, mit der Familie in Kontakt bleiben – und an Gesprächen teilnehmen, die heute online stattfinden.

„Digital Thinking“ ist keine Technik-Kompetenz. Es ist eine Lebenskompetenz.

Und die hat kein Ablaufdatum.

Welches kleine Alltagsproblem könnten Sie heute mit einem digitalen Werkzeug lösen?

Foto von Vitaly Gariev on Unsplash. Danke!